Gesundheit neu verstehen

Was verstehen wir eigentlich unter Gesundheit? In unserem täglichen Sprachgebrauch wird all zu gern das Wort Gesundheitszustand verwendet. Es lässt den trügerischen Rückschluss zu, dass Gesundheit etwas mehr oder weniger Feststehendes ist. Ihm entgegen steht dann Krankheit als ein Störenfried dieses Zustandes.

In den vergangenen zwei Jahren habe ich jedoch erkannt, wie irreführend diese Ansicht ist. Die Trennung führt dazu, dass wir nicht das ganze Bild zum Behandeln einer Erkrankung in Betracht ziehen und oft die Verantwortung für das Gesunden nach außen hin an einen Arzt oder Medikament abgeben.

Als mir vor zwei Jahren Ayurveda begegnete, habe ich ein ganz neues Bild von Gesundheit und Krankheit gewonnen.

Im Ayurveda werden drei große Wirkprinzipien beschrieben. Alle drei sind jedes für sich ein Zusammenspiel der fünf Elemente, aus denen sich alles in diesem Universum zusammensetzt. Jeder Mensch hat von Geburt an eine Konstitution, also ein für ihn spezifisches Verhältnis, in dem diese drei Prinzipien zueinander stehen – so einzigartig wie der Fingerabdruck jedes Menschen. Besteht (bis zu einem gewissen Grad) dieses Geburts-Verhältnis der Prinzipien untereinander, so ist dieser Mensch gesund.

Leben ist ständige Veränderung

Leben ist Veränderung, in jedem Moment. Schon ein Atemzug später sind wir nicht mehr dieselben, die wir kurz zuvor noch waren. Alles, was wir tun, denken, sagen und auch alles, was sich um uns herum in jedem Moment verändert, hat Einfluss auf die drei Wirkprinzipien in uns. Es ist also ein ständiges aus dem Gleichgewicht kommen und ins Gleichgewicht zurückkommen, dass wir vollziehen.

Solange wir uns aus einem gewissen Rahmen nicht herausbewegen, kann unser Körper immer wieder einen Ausgleich schaffen und wir bleiben gesund. Nimmt eines (oder mehrere) der Wirkprinzipien überproportional zu oder ab, dann werden wir krank.

Das Wunderbare an der ayurvedischen Sichtweise ist, dass wir, wenn wir lernen die Zeichen unseres Körpers und unseres Verstandes zu deuten, selbst das Handwerkszeug besitzen, unsere Gesundheit zu erhalten. Denn jedes der drei Wirkprinzipien hat bestimmte Eigenschaften, die man beobachten kann. Ist nun ein Mensch aus dem Gleichgewicht geraten, besteht mit dem Wissen des Ayurveda die Möglichkeit zurückzuverfolgen, wie das Ungleichgewicht entstanden ist und wie das Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann – wie man also wieder gesund wird.

Zwei Seiten derselben Medaille

Gesundheit und Krankheit sind also nur zwei Begriffe, die das Verhältnis der Geburtskonstitution zu der aktuellen Situation beschreiben, in dem sich ein Mensch befindet.

Seit ich mich in dieser Art und Weise damit auseinandersetze, verschwinden die Grenzen zwischen den beiden Begriffen. Das hat zum einen den Aspekt, dass ich eine immer präziser werdende Wahrnehmung für meinen Körper, mein Denken und meine Emotionen bekomme, und so immer frühzeitiger etwas für mein persönliches Gleichgewicht tun kann.

Zum anderen löst es die Trennung zwischen Gesundheit und Krankheit auf. Und wo keine Trennung ist, da ist keine Reibung. Krankheit ist Teil meines Seins, genauso wie Gesundheit. Es ist nichts Grundverschiedenes voneinander. Und somit parke ich auch nicht die Verantwortung für das Gesundwerden bei jemand anderen, sondern erkenne, dass ich diejenige bin, die für das Gleichgewicht in mir zu sorgen hat.

Es ist ein ganz grundlegender Unterschied in der inneren Einstellung, der sich durch dieses Verständnis vollzogen hat. Und das wiederum führt dazu, dass sich das Leben in mir und um mich herum ganz neu entfalten kann.

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