Wir reden vom Erwachsen-werden – und dieses werden war in meinem Verständnis bisher immer etwas nach vorne Gerichtetes. Etwas, was mit Tun verbunden war.

Und nun erkenne ich, dass dieses werden etwas mit lassen zu tun hat. So wie Entwicklung eigentlich etwas mit lassen zu tun hat. Und nicht mit werden im Sinne des Tuns, auch wenn es in unserem Sprachgebrauch häufig eher mit dem Tun in Verbindung steht.

Wir werden er-wachsen, im Grunde er-wachsen wir als Menschen. Aber wachsen geschieht nicht im Tun, sondern in der Hingabe an all das, was ist.

In dem wir denken, wir müssten etwas zu unserem werden beitragen, verhindern wir es im Grunde jedoch. Mit unseren Vorstellungen, Wünschen und Bestrebungen verhindern wir, dass das, was natürlicherweise von Geburt aus als Same in uns schlummert, aufgehen, gedeihen, eben er-wachsen kann.

Erst seit zweieinhalb Jahren habe ich das Gefühl, ich er-wachse. Und je mehr das geschieht, umso mehr entdecke ich Seiten an mir, die mir wie die eines unreifen, unselbstständigen Teenagers erscheinen, der sich bockig und voller Widerstand gegen das Leben auflehnen will beziehungsweise es die meiste Zeit seiner bisherigen Lebenszeit getan hat.

Erwachsen werden hat etwas mit Geduld und mit Vertrauen zu tun. Es geschieht von alleine – und in wunderbarer Weise, wenn wir es geschehen lassen können.

Wenn wir das Leben geschehen lassen können, dann trägt es uns unweigerlich genau da hin, wo wir hingehören. An einen Platz, den wir mit den Möglichkeiten und Fähigkeiten, die uns mitgegeben wurden, mit Zufriedenheit im Herzen und ganz im Dienste aller Lebewesen ausfüllen.

Etwas sein zu lassen, werden zu lassen oder sich zu ent-wickeln hat auch nichts mit Passivität zu tun. Es hat etwas damit zu tun, das hingebungsvoll und widerstandlos anzunehmen, was im Leben auf uns zukommt. Und nicht es mit dem Denken zu hinterfragen und daraufhin mit dem Vorwärts gerichteten Willen zu manipulieren und in eine andere Richtung zu lenken.

Diese Erkenntnis ist in meinem jetzigen Alltag mal klar und deutlich und mal überlagert. Und je nach dem fühlt es sich nach einer Aufgabe an – oder es ist einfach, wie es ist. Doch egal wie es ist, dieses und jenes gehört beides dazu.

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